Grunow in der Kunst


Musikvideo: Sad Mermaid - Dolphin Therapy (2019)

»Was mich an der Umsetzung eines Musikvideos mit Grunows Lehre inspiriert hat, war die konzeptuelle Arbeit, die sich aus Wissenschaft und Kunst zusammensetzt. Nach einem Einblick in die Forschung zu Grunow stellten sich für mich zwei wichtige Aspekte heraus: die Weiterführung des „Erbes“ Grunows um dadurch der in Vergessenheit geratenen Lehrenden sozusagen Tribut zu zollen und eine theoretische Auslegung ihrer Praxis in ein Videokonzept, das dann wiederum in etwas Praktisches umgewandelt wird. Ausgangspunkt für eine Musikvideo-Idee war ein Loop- und Kreissegment, das als Struktur für Tänzer stehen sollte. Der Song Dolphin Therapy ist musikalisch auch als Loop aufgebaut mit einer dramaturgischen Wendung nach der 3. Strophe. Die Grunow‘sche Lehre, die im Kreis stattfindet, passte von diesem Aspekt her in unser Konzept. Wir bewegten uns vor Ort durch eine Baustelle und durchliefen anhand von Grunows Tabellen verschiedene Stationen (die als einzelne Szenen im Video markiert werden) und gingen die vorhandenen Materialien, Farben und damit einhergehende mögliche Bewegungen durch. Zum Beispiel Holzpaletten wurden aus Materialsicht (Holz) mit der Farbe Gold und der damit einhergehenden Bewegung ausgelegt. Diese wurde dann wiederum erweitert (vom liegenden zum eher dynamischen, dennoch kastenförmigen Bewegen). Die Tänzerin Verena Sepp arbeitete für jede Szene mögliche Bewegungsmuster mit den weiteren zwei TänzerInnen durch. Auf filmischer Ebene haben wir die Kreis- und Loop-Idee als Oneshot konzipiert, von Szene A beginnend und bei Szene A wieder endend. Die gesamte Bewegungsabfolge des Grunow‘schen Kreises findet ihren Höhepunkt in der Kreisszene des Videos. Dabei dreht sich die Kamera um ihre eigene Achse und alle drei TänzerInnen durchlaufen in Wiederholung die 12 Bewegungen, bis sich der Kreis wieder auflöst. Das Konzept des Gleichgewichtes wir in der Szene mit den balancierenden Objekten deutlich: Teppiche, Holzröhren, sitzend, stehend. Dabei die dramaturgische Wendung in der Musik: „I've lost my mind“. Die vorläufige Fassung beinhaltet ein Intro, das die TänzerInnen und die Band in einer „harmonischen“ Szene zeigt, angelehnt an Kostüme der Eurythmie und Lois Fuller (weiße Gewänder). Daraufhin ist einer der Oneshots (es gibt 4) mit der Musik synchronisiert und uneditiert (d.h. In diesem Falle ungeschnitten und ohne Kolorierung bisher) genommen worden.«

 

Katharina Burchin studiert an der Humboldt-Universität zu Berlin Musikwissenschaft und Kunst- und Bildgeschichte. Seit 2018 beschäftigt sie sich mit kunsthistorischen und bildnerischen Themen in ihrer Videoarbeit. Als Musikerin brachte sie 2015 die EP Gestures und 2017 das Album Another Land heraus.

HINWEIS:  Alle Rechte des Films vorbehalten. Vervielfältigungen, Veröffentlichungen, Downloads etc., auch in Teilen, sind untersagt und bedürfen der Erlaubnis. Nehmen Sie bei Interesse bitte Kontakt mit der Künstlerin auf: Kosmos_cat[at]web.de.

 

 


Josephine Stella Coenen

 

Lineare Adaptionen der Studentin Josephine Coenen auf der Basis des bekannten Grunow-Porträts von 1936.

 


Pierre Haefelfinger

Pierre Haefelfingers Slidepictures sind Hommagen an Studentinnen und Künstlerinnen des Bauhauses. In dieser Werkreihe setzt der Schweizer Künstler (*1930) sich mit Motiven und Farben ihrer Werke auseinander. Eine seiner Hommagen widmet sich mit Grunow. In seinen Schiebebildern verwendet Haefelfinger übereinander angeordnete Holzleisten, die innerhalb einer Rahmenkonstruktion verschoben werden können. In den Arbeiten bleibt aufgrund der nicht deckend aufgebrachten Acrylfarbe die Maserung des Holzes sichtbar. Die Slidepictures sind darauf angelegt, nicht nur betrachtet, sondern auch berührt zu werden.

Gertrud Grunow Hommage, Slidepicture 204/2010, 48 x 51 cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Pierre Haefelfinger studierte Architektur in Burgdorf, Musik in Genève und Grafik in München. Er photographiert, zeichnet, malt, schafft Skulpturen in Stahl sowie Gebrauchsgegenstände in Metall. Kontakt zum Künstler können Sie über die folgende E-Mail-Adresse aufnehmen: pierre.haefelfinger@bluewin.ch.

 


Jenny Brockmann

August / September 2018

 

Im Rahmen des Projekts »Hitze Kälte Apparate. Bauhaus – Versuche am Gleichgewicht« während des Weimarer Kunstfestes 2018 widmete sich die Berliner Künstlerin Jenny Brockmann in drei Lecture- und Performance-Veranstaltungen sowie durch die Beteiligung an einer Ausstellung in der ACC-Galerie zentralen Aspekten der Grunow-Lehre mit Blick auf historische und aktuelle Fragen. Münden sollen diese ersten Annäherungen an Grunow in einer Ausstellung beim Kunstfest 2019.